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28.12.2019 17:09 Alter: 189 days
Kategorie: Medizinrecht

Häufung von Behandlungsfehlern als Beweisnachteil

Rechtsinfo der Kanzlei heller::kanter Rechtsanwälte


 

Das Landgericht Frankfurt (Oder) (Urt. v. 01.12.2019, Az. 11 O 309/11) hat einen Fall entschieden, in dem aufgrund der Häufung von Behandlungsfehlern ein grober Behandlungsfehler anzunehmen war. Die Feststellung eines groben Behandlungsfehlers hat Bedeutung für die Beweislast der Beteiligten im Haftungsprozess. Bei einem groben Behandlungsfehler werden die behaupteten Leiden des Patienten als Folge der Behandlungsfehler zu Lasten des Behandlers vermutet, ohne dass der Patient die Kausalität des Fehlers für seine Leiden darlegen muss. Das gilt aufgrund von Rechtsprechung schon länger, kommt aber nicht häufig vor. Im vorliegenden Fall geriet dem Zahnarzt der Vorwurf der Behandlungsfehlerhäufung zu dem beschriebenen Nachteil.

 

Außerdem befasste sich das Landgericht mit der Aufklärungspflicht bei alternativen Behandlungsmethoden. Bereits in den letzten RI-ZÄ hatte ich Ihnen von einem Fall zu dem Thema berichtet. Danach entscheidet primär der Arzt über die Behandlungsmethode. Gibt es indessen mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Behandlungsmethoden, die wesentlich unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen aufweisen, besteht mithin eine echte Wahlmöglichkeit für den Patienten, dann muss diesem nach entsprechend vollständiger ärztlicher Aufklärung die Entscheidung überlassen bleiben.

Das Unterlassen einer Aufklärung seitens des Zahnarztes vor Durchführung einer prothetischen Versorgung (hier: teleskopierende Brücke) über die mögliche Alternativbehandlung der Einbringung von zwei Implantaten als Stützpfeiler wurde als Fehler beurteilt.

 

Mangelnde Alternativaufklärungen häuften sich hier zudem, was zur Annahme eines groben Behandlungsfehlers beitrug.

 

Anmerkung:

Bemerkenswert ist, dass das Gericht der Unrechtseinsicht des Zahnarztes rechtliche Relevanz beimaß und deswegen das Schmerzensgeld erhöhte.

 

Quelle: heller::kanter Rechtsanwälte (Gustav-Heinemann-Ufer 56, 50968 Köln), Rechtsinformationen für Zahnärzte, IV.2019; mail@heller-kanter.de; www.heller-kanter.de