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20.03.2019 13:58 Alter: 2 yrs
Kategorie: Berufspolitik, GKV-Szene, Zahnheilkunde

Ärzte, Zahnärzte und Hebammen gemeinsam gegen ECC

Netzwerke im Gesundheitswesen – Wichtiger denn je


 

In der heutigen Zeit sind Netzwerkbildungen und Kooperationen im Gesundheitswesen ein wichtiger Bestandteil in der Versorgungsplanung und -steuerung. Die Early-Childhood-Caries (ECC) ist hierfür ein gutes Beispiel. Eine Studie der Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. untersuchte erstmals systematisch die Mundgesundheit dreijähriger Kinder. In Westfalen-Lippe sind 10,6 Prozent behandlungsbedürftig, 2,6 Prozent saniert und 86,8 Prozent der untersuchten Dreijährigen naturgesund. Dafür verantwortlich ist vor allem die gute Mundhygiene, die ein fester Bestandteil einer guten Prophylaxe ist.

 

Eine kontinuierliche Prophylaxe für alle Kinder ab dem Durchbruch des ersten Zahns ist also entscheidend, damit die Kinder langfristig kariesfrei bleiben. Das gelbe Kinderuntersuchungsheft ist in Westfalen-Lippe deshalb um ein zahnärztliches Kinderuntersuchungsheft ergänzt und ermöglicht so die gegenseitige Information von Zahn- und Kinderarzt über Auffälligkeiten. Grundsätzlich ist es sinnvoll, auch mit anderen im Gesundheitssystem engagierten Mitwirkenden in Kontakt zu treten. Ein erster erfolgreicher Meilenstein war 2018 dafür bereits die beginnende Kommunikation und Kooperation von Zahnärzten mit Kinder- und Jugendärzten.

 

Nun sollen die im vergangenen Jahr gebildeten regionalen Netzwerke gemeinsam mit den Gynäkologen, Hebammen, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und den Frühen Hilfen erweitert werden und so ermöglichen, Zugang zu vulnerablen Gruppen zu finden. Damit kann (werdenden) Eltern mit ihren Kindern frühestmöglich eine Teilhabe an präventiven (zahn-)medizinischen Maßnahmen ermöglicht werden. Eine einheitliche Sprachregelung aller Beteiligten ist hierbei essenziell.

 

Um das notwendige Hintergrundwissen zu vermitteln, ein konkretes Kennenlernen zu ermöglichen und erste regionale Absprachen treffen zu können, richten Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, Zahnärztekammer, Kassenzahnärztliche Vereinigung, Landesverband Westfalen-Lippe im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, Berufsverband der Frauenärzte und Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Kooperation mit dem Hebammenverband NRW und der Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen von März bis Mai drei regionale Veranstaltungen aus. Die Netzwerke sollen den regelmäßigen Austausch fördern – für Chancengleichheit und umfassende Prävention für eine bessere Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

 

Folgende Veranstaltungen sind vorgesehen:

 

Mittwoch, 27. März 2019 von 18.00 bis 20.30 Uhr

Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Robert-Schimrigk-Straße 4-6, 44141 Dortmund

 

Mittwoch, 10. April 2019 von 18.00 bis 20.30 Uhr

Tagungszentrum A2-Forum, Gütersloher Str. 100, 33378 Rheda-Wiedenbrück

 

Mittwoch, 08. Mai 2019 von 18.00 bis 20.30 Uhr

Ärztekammer Westfalen-Lippe, Gartenstraße 210-214, 48147 Münster

 

Hintergrund:

Die frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) lässt sich zuverlässig durch Prophylaxe in Verbindung mit möglichst zuckerarmer Ernährung vermeiden. Die Hälfte aller kariösen Defekte, die bei der Einschulung festgestellt werden, entsteht in den ersten drei Lebensjahren. ECC ist aufgrund der Anzahl der betroffenen Zähne, des Schweregrads der Zerstörung und des geringen Alters der Kinder ein großes kinderzahnheilkundliches Problem. Entgegen einer weitverbreiteten Fehleinschätzung hat Karies im Kleinkindalter auch äußerst negative Auswirkungen auf die spätere Mundgesundheit von Erwachsenen. Laut einer aktuellen wissenschaftlichen Studie der Universität Witten/Herdecke (Jordan et al. 2016) wiesen Studienteilnehmer, die bereits kariöse Erkrankungen an den Milchzähnen hatten, an durchschnittlich 14,8 mehr Zahnflächen eine Karies auf, als bei solchen, die als Kind kariesfrei waren. Außerdem hatten Teilnehmer, die bereits an frühkindlicher Karies erkrankt waren, im Schnitt 3,8 funktionstüchtige Zähne weniger.

 

Quelle: KZVWL-PM vom 20. März 2019