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< Kassenlandschaft 2019: Nur noch 109 an Bord
28.01.2019 16:13 Alter: 1 year
Kategorie: Gesundheitspolitik, Berufspolitik, GKV-Szene, Kommentare

Dr. Marion Marschall: „Neue Ideen braucht das Land“

Kammern und KZVen sollten sich an Modellprojekten wie Medibus beteiligen


Teilveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von Quintessence News:

 

Auf dem Land wird es stellenweise dünn mit der vertragszahnärztlichen Versorgung. Was angesichts der vergleichsweise hohen Zahl der Studienabsolventinnen und -absolventen statistisch ausgewogen scheint, bringt in der Praxis schon jetzt und mehr noch in den kommenden Jahren starke Verwerfungen: Die geburtenstarken Jahrgänge der Zahnärztegeneration 50+ gehen in den Ruhestand, und gerade in den so gerne zitierten „strukturschwachen Regionen“ werden sie für ihre Praxen nicht in ausreichender Zahl Nachfolger finden.

 

Kammerpräsidenten und KZV-Chefs in den neuen Bundesländern haben diese Probleme schon länger im Blick, aber auch in den alten Bundesländern treiben diese Sorgen die Zahnärzte und die Standespolitik um, wie der jetzt von der KZV Rheinland-Pfalz veröffentlichte Versorgungsatlas zeigt und solide vorrechnet. Da helfen auch keine offiziellen Verkündigungen, dass es ja derzeit keine unterversorgten Gebiete gibt – es wird auch in „reichen“ Bundesländern Regionen geben, in denen Menschen künftig weit fahren müssen zum nächsten Zahnarzt.

 

DB Medibus mit privatem Partner

In Mecklenburg-Vorpommern fordert jetzt die CDU, dass es auch für die Zahnmedizin Studienstipendien mit Verpflichtung zur Tätigkeit auf dem Land geben soll, um Versorgungslücken zu verhindern. Und das noch immer dem Bund gehörende Unternehmen Deutsche Bahn will für sein von der DB Regio Bus betriebenes Modellprojekt DB Medibus nun auch eine zahnärztliche Variante entwickeln.

 

Das Interessante daran: Partner für dieses interessante Modellprojekt ist nicht etwa eine Kammer oder KZV (wie beim Medibus Nordhessen, wo die KV Hessen Projektpartner ist), sondern eine Praxiskette mit Investoren im Hintergrund: die Zahneins GmbH in Hamburg, die Zahnarztpraxen und MVZ unter anderem in Ostfriesland und Bayern betreibt. Mitarbeiter von Zahneins sollen dann auch die zahnärztliche Besatzung und das Fachpersonal auf den Bussen stellen.

 

Andere Partner zur Mitarbeit eingeladen

Beide Unternehmen laden ausdrücklich andere Zahnarztpraxen, zahnärztliche Körperschaften und Kommunen zur Mitarbeit am Projekt ein – und gerade Kammern und KZVen sollten diese Einladung ernst nehmen und prüfen. Denn noch haben die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen – anders als die Ärzte – nicht die gesetzlichen Mittel an der Hand, um selbst bei Versorgungsengpässen mit eigenen Einrichtungen tätig werden zu können. Aber das soll nach dem Willen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und mit Segen des Gesetzgebers hoffentlich zeitnah auch für sie möglich werden. Auf der ärztlichen Seite gibt es hier schon mehr Modellprojekte, die zu prüfen sich lohnen würde. Neue Ideen braucht das Land, wenn man die freiberufliche Tätigkeit von Zahnärztinnen und Zahnärzten in eigener Praxis fördern will – und dafür einen Blick ohne standespolitisch-ideologische Scheuklappen.

 

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