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11.06.2024 10:32 Alter: 1 day
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik

„Mund auf, Praxis zu“

Zahnärztinnen und Zahnärzte in Niedersachsen schließen am 18.06.2024 ihre Praxen aus Protest


 

 

Protest- und Informationstag soll auf drohende Versorgungsprobleme hinweisen

 

Am 18.06.2024 werden voraussichtlich über 1.100 Zahnärztinnen und Zahnärzte in Niedersachsen ihre Praxen schließen, um gegen die aktuelle Gesundheitspolitik und deren negative Auswirkungen zu protestieren. Bürokratie, Budgetierung, Inflation und Fachkräftemangel hindern immer mehr junge Zahnärztinnen und Zahnärzte daran, eine eigene Praxis zu gründen. Dies führt zu einem drohenden Praxissterben und dramatischen Versorgungslücken, besonders in ländlichen Regionen Niedersachsens. „Wir machen den Mund auf und die Praxis zu. Die wohnortnahe Patientenversorgung ist gefährdet wie nie zuvor“, warnt Henner Bunke, D.M.D./Univ. of Florida und Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN).

 

60 Prozent der zahnärztlichen Praxen in Niedersachsen sind Einzelpraxen. „Diese Einzelpraxen sind das Fundament unserer flächendeckenden Versorgung in Niedersachsen. Gerade hier ist die Not derzeit am größten“, erklärt Dr. Jürgen Hadenfeldt, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN). Bereits jetzt gibt es oft lange Wartezeiten für Termine. Schließlich werden mittlerweile durchschnittlich 51 Arbeitstage pro Jahr in zahnärztlichen Praxen nur für Verwaltungstätigkeiten aufgewendet. „Diese Zeit würden wir lieber in die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten investieren“, betont Dr. Markus Braun, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ).

 

Der Protest- und Informationstag wird von ZKN, KZVN und den zahnärztlichen Verbänden „Zahnärzte für Niedersachsen“ (ZfN) sowie dem Landesverband Niedersachsen des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) organisiert. Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie deren Fachpersonal können an diesem Tag ein digitales Fortbildungsangebot nutzen, um sich weiterzubilden. „Wir nutzen den Tag sinnvoll, um unsere Patientinnen und Patienten auch weiterhin nach dem neuesten Stand der Wissenschaft zu behandeln“, erklärt Dr. Tilli Hanßen, stellvertretende Vorsitzende des Verbands Zahnärzte für Niedersachsen (ZfN). Für zahnmedizinische Notfälle wird am 18.06. eine Notfallbereitschaft organisiert. Weitere Informationen zum Protest und den Hintergründen finden Sie auf der Internetseite www.mundauf.info

 

Parallel zu Niedersachsen finden auch in Berlin, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Protestaktionen der Zahnärztinnen und Zahnärzte statt. In Bayern ist bereits am 12. Juni eine große Protestkundgebung geplant. Weitere Protesttage folgen in Sachsen (29. August), Hessen und Westfalen-Lippe (jeweils am 25. September). Quelle: ZKN am 11. Juni 2024