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21.05.2024 18:21 Alter: 22 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, GKV-Szene

„änd exklusiv“: Angestellte Ärzte

Jeder vierte Arbeitgeber hätte lieber Praxispartner gehabt


 

 

Teilzeitarbeit und Angestelltenverhältnisse liegen auch in der ambulanten medizinischen Versorgung schwer im Trend. Das zeigt die rasch steigende Zahl der Beschäftigungsverhältnisse in den Praxen. Doch wie geht die Mehrzahl der Niedergelassenen vor, wenn sie Kolleginnen und Kollegen anstellen? Wonach richten sich Honorar und Arbeitsvertragsdetails? Rund 400 Praxisbesitzer, die bereits angestellt haben, gaben im Rahmen der aktuellen änd-Umfrage Auskunft.

 

Die hohe Teilnahme an der Erhebung innerhalb von nur vier Tagen lässt bereits erahnen, wie groß die Zahl der Praxen inzwischen ist, in denen Ärztinnen und Ärzte als Angestellte arbeiten. 59 Prozent der insgesamt 408 befragten Praxisbesitzerinnen und -besitzer gaben dabei an, mit einem angestellten Kollegen zu arbeiten, 41 Prozent haben sogar mehrere Stellen besetzt. Die Vollzeitstellen sind dabei erwartungsgemäß in der Minderheit: Drei von vier Arbeitgebern (76 Prozent) haben Teilzeitverträge unterschrieben.

 

Apropos Verträge: Rund ein Drittel der anstellenden Niedergelassenen (33 Prozent) sucht nicht lange im Netz nach Vordrucken für Arbeitsverträge – sondern lässt das Dokument gleich komplett von einem Anwalt aufsetzen. Der Rest macht sich hauptsächlich selbst ans Werk und schreibt allgemeine, öffentlich zugänglichen Vertragsmuster passend um (18 Prozent), verwendet Vordrucke der Ärztekammer (13 Prozent), orientiert sich an Arbeitsverträgen aus anderen Praxen (11 Prozent) oder nutzt entsprechendes Material eines Verbandes oder der KV (jeweils 10 Prozent).

 

Stellenausschreibungen spielen Nebenrolle

 

Woher die Unterzeichner kommen, ist übrigens höchst unterschiedlich. Nur in 15 Prozent der Fälle hat der Arbeitgeber laut Umfrage eine klassische Stellenausschreibung gestartet und darauf eine am Ende erfolgreiche Bewerbung erhalten. Häufiger führten Empfehlung von Freunden bzw. anderen Kollegen zum Ziel (30 Prozent). Auch endeten unaufgefordert an die Praxen gesandte Initiativbewerbungen überraschend häufig in einer Anstellung (20 Prozent). Ebenso häufig wurden ehemalige Weiterbildungsassistenten in ein festes Beschäftigungsverhältnis überführt.

 

Bei der Frage, woran sich am Ende die Höhe des Einstiegsgehalts orientiert hat, dominiert mit 54 Prozent der Stimmen der „Klassiker“: das Oberarztgehalt an der Klinik. 26 Prozent der Arbeitgeber betonen dagegen, dass die aufgerufene Gehaltsforderung der Bewerber mit ausschlaggebend war. 19 Prozent der Befragten orientierten sich nach eigenen Angaben auch an Gehältern von Angestellten in anderen Praxen, 16 Prozent betonen, dass der Praxisumsatz den Gehaltsrahmen diktiert habe. Auf Empfehlungen von Kammer, KV oder Fachverbänden griffen 12 Prozent zurück (Mehrfachantworten waren möglich). Interessant auch: Immerhin jeder vierte Arbeitgeber (26 %) hat neben einem festen Grundgehalt auch flexible Gehaltsbestandteile in Form von Umsatzbeteiligungen und/oder Bonusregelungen vereinbart.

 

Nicht immer Alternative zur Anstellung in Sicht

 

Völlig reibungslos lief der Ablauf bei der Anstellung jedoch nicht in allen Fällen. Zwar gibt eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent an, dass es keine organisatorischen Hürden beim Anstellungsprozess gegeben hat. Der Rest hätte sich bei der Beantragung von Zulassungen bzw. Erlaubnissen aber mehr Unterstützung von der Kammer oder KV gewünscht.

 

Die Zufriedenheit mit der Entscheidung, eine Kollegin oder einen Kollegen angestellt zu haben, ist am Ende des Tages trotzdem hoch: Satte 85 Prozent der befragten änd-Mitglieder haben ihren Entschluss in der Sache nicht bereut und würden sich wieder für diesen Schritt entscheiden, wenn sie vor der Wahl stünden. Alarmierend eher die Tatsache, dass nicht jeder Praxis die Wahl hatte: 27 Prozent gaben an, ein Anstellungsverhältnis abgesegnet zu haben, weil sich einfach keinen Kollegen gefunden habe, der als Partner mit in die Praxis einsteigen wollte. Bei der abschließenden Frage, was unternommen werden müsste, damit eine Anstellung junger Kolleginnen und Kollegen attraktiver wird, herrscht weitestgehend Einigkeit: Entbudgetierung, leistungsgerechte Vergütung und Entbürokratisierung werden als Hauptforderungen in den Freitextantworten genannt.

 

An der Online-Umfrage beteiligten sich vom 15. bis zum 18. Mai insgesamt 408 änd-Mitglieder – Haus- und Fachärztinnen und -ärzte aus dem gesamten Bundesgebiet. Zu Umfrageteilnahme aufgerufen waren gezielt Niedergelassene, die Kolleginnen oder Kollegen angestellt haben. Weitere Ergebnisse der Umfrage werden in den nächsten Tagen veröffentlicht. Quelle: „änd exklusiv“, 20.05.2024, 17:10, Autor/-in: js