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< Mundhygiene kann Leben retten
11.03.2024 18:08 Alter: 40 days
Kategorie: Kommentare

„Asbest-Implantate“ und andere Nonsens-Fortbildungen

Kommentar von Dr. Marion Marschall


 

 

Satiriker Jan Böhmermann nimmt unter dem Titel „Alles für ein schönes Lächeln“ PZR, KFO und Fortbildungspunkte unter die Comedy-Lupe. Dazu der Kommentar von Dr. Marion Marschall, Chefredakteurin von Quintessence News, Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin:

 

Zwischenruf

 

Dass man bei Jan Böhmermann und seinem „ZDF Magazin Royale“ – das im ZDF übrigens unter „Comedy“ läuft – keine seriös-sachliche Berichterstattung erwarten sollte, hat sich inzwischen herumgesprochen. Verglichen mit dem, was der Satiriker (nicht Journalist) Böhmermann mit seiner Redaktion sonst schon so verteilt hat, war die Sendung vom 8. März 2024 eher harmlos und oberflächlich. Da war nichts dabei, was nicht schon andernorts und schärfer zum Beispiel in Ratgebersendungen etc. thematisiert worden war. Manches, wie wohl der breit lächelnde Böhmermann als Hinweis auf die Kampagne „Lächeln für Deutschland“ des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte, war nur für sehr aufmerksame Insider direkt zu erkennen. Für die Zahnärztinnen und Zahnärzte, die mit ihren Teams täglich daran arbeiten, ihre Patientinnen und Patienten zu besserer Mundhygiene zu motivieren, könnte sich nach der Sendung – wieder einmal – mehr Erklärungsbedarf zur PZR ergeben.

 

Entlarvend war allerdings der Teil über die mit Punkten bedachten Fortbildungsangebote, die sich auch bei vielen Zahnärztekammern finden. Es war schon erschreckend zu sehen, wie leicht man bei vielen Zahnärztekammern offensichtlich ohne jegliche fachliche Prüfung Nonsens-Angebote mit offiziellen Fortbildungspunkten bewertet bekommt oder gar selbst in die Online-Fortbildungskalender eintragen kann.

 

Das ist seit Einführung der Pflichtfortbildungen und der Fortbildungspunkte ein Dauerbrennerthema, gerade reine „Verkaufsthemen“, aber auch wissenschaftlich Fragwürdiges und eher in die Esoterik-Richtung gehende Angebote werden immer wieder im Berufsstand kritisiert. Da beruft man sich auf der einen Seite auf die wissenschaftliche, evidenzbasierte ZahnMedizin, bedenkt aber auf der anderen Seite Veranstaltungen, die diesen Ansprüchen in keiner Weise genügen, mit Fortbildungspunkten. Diese Angriffsfläche dürfen die Zahnärztekammern einfach nicht geben! Wer das zulässt, diskreditiert damit nicht zuletzt die guten Angebote und die Arbeit der eigenen Fortbildungsakademien, und leistet der eigenen Kollegenschaft einen Bärendienst.

 

Vielleicht sollte man den Begriff „verkaufen“ am besten ganz aus Fortbildungstiteln streichen, egal ob Kammerfortbildung oder privater Anbieter. Wir sind in den Zeiten des „shared decision making“, Patientinnen und Patienten wollen informiert und aufgeklärt werden und dann mitentscheiden können. Die Zahnmedizin hat nun einmal den Vorteil – und manchmal auch den Fluch –, dass es oft mehrere, unterschiedlich funktionale, ästhetische und finanziell aufwendige Lösungen für ein Problem gibt, unter denen der Patient wählen kann. Und es ist politisch gewollt, dass in vielen Bereichen nur die medizinisch notwendigen und wirtschaftlich ausreichenden Regelleistungen von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Das haben die Patientinnen und Patienten längst verstanden. Prävention vermeidet Kosten, auch das ist bei vielen angekommen und sie erleben es selbst.

 

Dr. Marion Marschall, Berlin