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26.08.2023 10:07 Alter: 331 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, GKV-Szene

Ärzte: Protestaktionen gehen weiter

Mehrtägige Praxisschließungen möglich


 

 

Ärzte und Ärztinnen in Baden-Württemberg planen in den nächsten Monaten weitere Protestaktionen. Viele seien bereit, ihre Praxen für mehrere Tage zu schließen, sagte der MEDI-Vorsitzende Dr. Norbert Smetak in Stuttgart.

 

„Die Praxen stehen vor einem Kollaps“, sagte Smetak, Es brodele an der Basis. „Das medizinische Fachpersonal läuft weg, weil es an den Kliniken besser bezahlt wird.“ Die Praxen könnten die gestiegenen Kosten nicht über höhere Preise ausgleichen, sondern müssten sie aus der eigenen Tasche bezahlen. „Einnahmen und Ausgaben klaffen immer weiter auseinander.“ Vor allem kleine Praxen stünden zunehmend unter wirtschaftlichem Druck.

 

Aktuell laufen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Honorarverhandlungen. Die KBV forderte im Vorfeld eine Erhöhung der relevanten Vergütung von knapp 10,2 Prozent. „Wir brauchen mindestens einen Inflationsausgleich. Aber so wie es aussieht, wird es nur eine minimale Erhöhung der Vergütung geben“, sagte der MEDI-Chef weiter.

 

Smetak kritisierte unter anderem überbordende Bürokratie und ineffiziente Digitalisierung, die in den Praxen für viel Arbeit sorge. „Es kann nicht sein, dass uns immer wieder Sanktionen und Bußgelder angedroht werden, obwohl digitale Anwendungen nicht zuverlässig funktionieren und bisher keinen Mehrwert für die Versorgung mit sich bringen.“

 

Der MEDI-Chef sieht nicht nur die Versorgung mit Hausärztinnen und -ärzten gefährdet, sondern auch bei der Fachärzteschaft. „Immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte lassen sich nieder“, warnte er. Der KV-Vorsitzende von Baden-Württemberg, Karsten Braun, sagte, für junge Medizinerinnen und Mediziner werde die ambulante Versorgung zunehmend unattraktiv. „Allein in Baden-Württemberg hat sich Zahl der freien Arztsitze innerhalb von wenigen Jahren mehr als verdoppelt: 2015 gab es 465 freie Arztsitze, aktuell sind es 1090.“ In den Zeiten des Ärztemangels sei man eigentlich froh um jeden, der versorgt; Fallzahlbegrenzungen und Budgets wirkten sich aber leistungsfeindlich aus.

 

Im Südwesten gibt es insgesamt 16.000 zugelassene Ärzte und Psychotherapeuten, davon 5.250 Hausärzte, 6.605 Fachärzte und Psychotherapeuten. Quelle: ärztenachrichtendienst (änd) am 26. August 2023