Zum Hauptinhalt springen

Aktuell

< Bundeskabinett winkt Lauterbach-Gesetz durch
30.07.2022 09:59 Alter: 20 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, GKV-Szene, Medien & Internet, Praxisfinanzen

Debatte über Konnektorentausch dauert an

KBV hält an Forderung nach Neubewertung fest


 

 

Der Austausch der Konnektoren in den Praxen sorgt weiterhin für großen Unmut. Nach Bekanntwerden von Hinweisen, dass ein teurer Wechsel aller Geräte wohlmöglich nicht erforderlich sein könnte, verlangt die KBV von der gematik eine Neubewertung. „An dieser Forderung halten wir fest“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel am Donnerstag den PraxisNachrichten. Die Antwort der gematik auf ein Schreiben der KBV sei nicht „befriedigend“. Nur zu sagen, „die aktuellen Aussagen aller Hersteller bestätigen, dass der Austausch einer alten gSMC-K gegen eine neue gSMC-K nicht möglich ist“, reiche nicht aus, stellte Kriedel klar. Es gehe schließlich um rund 300 Millionen Euro, die der Austausch koste, und viel Ärger, die die Praxen damit hätten und nach dem Schiedsspruch zur Finanzierung nun auch noch draufzahlen müssten. Der Vorstand der KBV hatte sich kurz nach Veröffentlichung eines Artikels in dem IT-Fachmagazin c’t (Heft 16 / 2022) an die Geschäftsführung der gematik gewandt und auf eine rasche Aufklärung gedrängt. Dem Magazin zufolge ist ein Tausch der sogenannten gSMC-K-Karten in den Konnektoren durchaus möglich, wie eine Analyse gezeigt habe. Demzufolge ließen sich pro ausgetauschtem Konnektor etwa 1.556 Euro sparen, hieß es. In ihrem Antwortschreiben teilt die gematik mit, dass der im c’t-Artikel beschriebene Aus- und Wiedereinbau der gSMC-K zu keinem Zeitpunkt „eine vorgesehene Lösung“ gewesen sei. Aussagen aller Hersteller würden bestätigen, dass der Austausch einer alten gSMC-K gegen eine neue gSMC-K nicht möglich sei.

 

KBV bringt Thema in die Gesellschafterversammlung

 

Der KBV reicht diese Antwort nicht aus. Sie will das Thema nun auf der nächsten Gesellschafterversammlung der gematik Anfang kommender Woche zur Sprache bringen. „Wir erwarten von der gematik, dass sie Gespräche führt, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Hersteller gegebenenfalls die gSMC-K austauschen können und was dies kosten würde“, sagte Kriedel. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) müsse dann prüfen, ob die Vorschläge sicherheitstechnisch machbar sind. Nur so könne eine ergebnisoffene Bewertung der Alternativen im Sinne der Solidargemeinschaft erfolgen, fügte er hinzu. Die Gesellschafterversammlung der gematik hatte Ende Februar den Austausch der Konnektoren beschlossen. Basis des Beschlusses war die Aussage der gematik, dass es nach Rücksprache mit den Herstellern und dem BSI keine Möglichkeit gebe, dass der Konnektor bis zum Übergang in die Telematikinfrastruktur 2.0 betriebsfähig bleibe und bis dahin nicht noch einmal ausgetauscht werden müsste. Eine Zertifikatsverlängerung, die auch diskutiert worden war, wäre nach den Vorgaben des BSI maximal bis Ende 2024 möglich gewesen, wenn die Hersteller diese ermöglicht hätten. Der Hardware-Austausch wäre bei dieser Lösung nur verschoben worden.

 

Zum Hintergrund

 

Das IT-Fachmagazin c’t hatte in Heft 16 / 2022 berichtet, es habe einen Konnektor „aufgeschraubt“ und nachgeschaut, ob es stimme, dass der Austausch der Konnektoren laut gematik „alternativlos“ sei. Das Fazit der Redaktion lautet: „Setzt man für drei gSMC-K-Karten einen Herstellungspreis von zusammen 30 Euro an, ließen sich pro ausgetauschter KoCoBox etwa 1556 Euro sparen. Bei den Arbeitskosten für den Kartentausch, Aufspielen neuer Firmware, Rekonfiguration der Praxis-IT sowie An- und Abfahrt unterstellen wir in etwa dieselben wie bei der Kalkulation für den Konnektortausch von CGM.

 

Unverständlich ist, warum die Gematik trotzdem auf einen Austausch aller Konnektoren besteht und keine Unterscheidung zwischen den Modellen der drei Hersteller macht. Statt ca. 300 Millionen Euro für den Tausch von 130.000 Konnektoren, würde der Tausch der gSMC-K-Karten der KoCoBoxen nur einen kleinen Bruchteil kosten. Die Software-Verlängerung der übrigen Konnektoren von RISE und Secunet wäre deutlich günstiger. Nach den Gründen für den Komplettaustausch gefragt, antwortete die Gematik lediglich: ‚Die Konnektoren müssen ausgetauscht werden‘, ohne weitere Erläuterungen.“ Quelle: KBV-„PraxisNachrichten“ am 29. Juli 2022