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20.07.2022 14:00 Alter: 30 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, GKV-Szene, Medien & Internet, Praxisfinanzen

Schiedsspruch zum Konnektortausch

Arztpraxen bekommen 2.300 Euro – KBV unzufrieden


 

 

Im Streit um die Finanzierung des Konnektoraustauschs in den Praxen hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung Ende Mai das Bundesschiedsamt angerufen. Das hat nun entschieden. Die KBV kritisiert den Schiedsspruch und hofft nun auf die Industrie.

 

2.300 Euro sollen die Praxen für den Tausch ihres Konnektors, der die Praxis mit der Telematikinfrastruktur (TI) verbindet, erstattet bekommen. Das hat das Bundesschiedsamt für die vertragsärztliche Versorgung entschieden, wie die KBV am Mittwoch mitteilte. Die KBV zeigt sich am Mittwoch in einer ersten Reaktion auf den Schiedsspruch unzufrieden. Dies sei zwar damit deutlich mehr als die Krankenkassen zu zahlen bereit gewesen wären. „Dennoch entspricht das Ergebnis nicht unserer Forderung nach einer vollumfänglichen Finanzierung der Kosten, die sich an dem vom Hersteller verlangten Preis orientiert hat“, kritisierte Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV.

 

Man erwarte jetzt von der Industrie, dass sie ihre Preise senke. Kriedel: „Die Ärzte und Psychotherapeuten sind gesetzlich verpflichtet, ihre Praxen an die Telematikinfrastruktur anbinden zu lassen. Dass die Konnektoren ab dem Herbst nach und nach ausgewechselt werden müssen, haben sie nicht zu verantworten. Der Austausch muss komplett finanziert werden.“ Die Praxen dürften nicht auf einen Teil der Kosten sitzenbleiben. Von dieser Forderung weiche die KBV nicht ab. Im Schnitt 9.000 Euro hätte jede Praxis mittlerweile draufgezahlt für die TI, hatte Kriedel auf der jüngsten Vertreterversammlung der KBV Ende Mai den Delegierten vorgerechnet.

 

Auch vom GKV-Spitzenverband kommt Kritik

 

Auch die Krankenkassen sind unzufrieden mit dem Schiedsspruch: „Einmal mehr finanzieren die Beitragszahlenden der gesetzlichen Krankenkassen den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit Millionenbeträgen die Anpassung ihrer digitalen Praxisausstattung", kommentierte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbands die Entscheidung am Mittwoch. Insgesamt taxiert der Verband die Summe, die GKV und PKV nun zusätzlich aufbringen müssen, auf knapp 400 Millionen Euro. Zu den 2.300 Euro kämen nämlich weitere Pauschalen, unter anderem für ein ebenfalls notwendiges Update, das die Nutzung der elektronischen Patientenakte ermögliche. Digitalisierung mache Praxisabläufe schneller und effizienter. GKV-Sprecher Lanz: „Wir hoffen sehr, dass die dadurch eingesparte Zeit für die Versorgung der Patientinnen und Patienten genutzt wird.“

 

Rund 130.000 Konnektoren verlieren demnächst ihre Zertifizierung und müssen ausgetauscht werden. Bis Februar soll der Austausch der ersten rund 30.000 Geräte anstehen. Laut offizieller Preisliste verlangt etwa die Compugroup für einen Vor-Ort-Austausch seiner KoCoBox zwischen 2.161 und 2.330 Euro netto. Auch der Hausärzteverband Hessen hatte in dieser Woche noch einmal die Forderung nach einer kompletten Kostenerstattung bekräftigt.

 

Quelle: 20.07.2022, 11:44, Autor/-in: mm / änd