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24.06.2022 12:25 Alter: 56 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, Praxisfinanzen, Praxismanagement, Privates Gebührenrecht

DZV-MGV in Pulheim

Die Beschlüsse


 

 

Hier sind die Beschlüsse der ordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Zahnärzte Verbandes e.V. (DZV) vom 22. Juni 2022 in Pulheim. Eine Presseinformation zur MGV 2022 folgt in Kürze.

 

Beschluss Nr. 01 (Resolution):

 

Headline: Zahnärztinnen und Zahnärzte stehen bereit, Schutzsuchende unbürokratisch zu versorgen

 

Wortlaut:

 

Die Mitgliederversammlung des DZV e.V. erklärt sich im Namen aller Mitglieder des DZV e.V. solidarisch mit allen Bürgerinnen und Bürgern der Ukraine. Dies gilt nicht zuletzt auch für Heil- und Pflegeberufe, die derzeit vor Ort häufig unter Einsatz des eigenen Lebens den Opfern des russischen Angriffskriegs helfen und Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglichen. Zugleich bekennt sich der Berufsstand einmal mehr ausdrücklich zu Werten wie Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit und verurteilt die russische Aggression gegen die Ukraine auf das Schärfste. Die schrecklichen Bilder aus dem Kriegsgebiet erschüttern uns und machen uns tief betroffen.

 

Präsident Putin und die russische Staatsführung sind aufgerufen, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg sofort zu stoppen, sich umgehend aus der Ukraine zurückzuziehen und die Souveränität der Ukraine wiederherzustellen. Die Kampfhandlungen bringen Tod und schwerste physische und psychische Verletzungen. Sie verursachen unvorstellbar großes Leid. Die Lebensgrundlage der Menschen in der Ukraine wird auf Jahre zerstört, Familien auseinandergerissen und Kinder ihrer Zukunft beraubt. Das ukrainische Gesundheitssystem gerät mit jedem Tag, den dieser Krieg andauert, an seine Belastungsgrenzen. Viele Menschen benötigen dort jetzt dringend humanitäre Unterstützung und medizinische Versorgung. Hunderttausende sind bereits auf der Flucht in die Nachbarländer und auch nach Deutschland. Wir Zahnärztinnen und Zahnärzte stehen bereit, die in Deutschland Schutz vor dem Krieg suchenden Menschen aus der Ukraine schnell und unbürokratisch zu versorgen und nach besten Kräften humanitär und finanziell zu unterstützen. Die Mitgliederversammlung des Deutschen Zahnärzte Verbandes DZV e.V. bittet den Gesetzgeber, kurzfristig die notwendigen Rahmenbedingungen zur unbürokratischen zahnmedizinischen Versorgung der Geflüchteten zu schaffen und sagt der Bundesregierung umfassende Unterstützung bei allen Maßnahmen zu, die das Leid dieser Menschen zu lindern helfen.

 

Beschluss Nr. 02:

 

Headline: Leistungs- und aufwandsgerechte Honorierung im Rahmen der GOZ – Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen bei der Liquidationsstellung ihrer im privaten zahnmedizinischen Leistungssegment erbrachten zahnärztlichen Leistungen

 

Wortlaut:

 

Die Mitgliederversammlung des DZV e.V. beauftragt den Vorstand des DZV e.V., die Kolleginnen und Kollegen in den regionalen Initiativen sowie deren MitarbeiterInnen bezüglich der Abrechnung von zahnärztlichen Leistungen im Rahmen der GOZ zu unterstützen und Möglichkeiten aufzuzeigen, auf welchem Wege eine dem Aufwand angemessene und die aktuelle Kostenstruktur berücksichtigende Honorierung der erbrachten Leistungen erreicht werden kann.

 

Begründung:

 

Die Punktwerte der GOZ sind seit Jahren unverändert und resultieren aus dem Jahre 1988. Somit besteht der Punktwert seit 34 Jahren unverändert, während die Kosten für den Praxisbetrieb bedingt durch veränderte wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen sowie die allgemeine Preisentwicklung ständig angestiegen sind und weiter ansteigen. Auch im Hinblick auf die Inflation ist es erforderlich, in den Praxen die erbrachten Leistungen angemessen zu liquidieren. Nur durch eine leistungsgerechte Honorierung kann die qualitative Spitzenstellung der deutschen Zahnmedizin aufrechterhalten werden. Die Erkenntnisse aus dem Praxisalltag zeigen, dass die bestehenden Möglichkeiten einer GOZ, eine dem Aufwand entsprechende Honorierung abzubilden, nur in geringem Umfang genutzt werden, so dass interessierte KollegInnen und MitarbeiterInnen durch entsprechende Informations- und Schulungsangebote des DZV Unterstützung finden sollen.

 

Beschluss Nr. 03:

 

Headline: Teilnahme an der ZäPP

 

Wortlaut:

 

Die Mitgliederversammlung des DZV e.V. unterstützt die Kostenstrukturerhebung der KZBV, die in Form des zahnärztlichen Praxispanels „ZäPP“ über das Zentralinstitut der Ärzte „Zi“ durchgeführt wird. Es sind alle Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber im DZV e.V. aufgerufen, aktiv an der Erhebung teilzunehmen, um somit zur Schaffung einer validen Datenbasis beizutragen.

 

Begründung:

 

Diese Daten sind essenziell, um in dem Bereich von Vertragsverhandlungen der KZBV und der KZV, z. B. über die Anpassung von Punktwerten eine solide Grundlage für die Erfüllung ihrer Aufgaben im Sinne der Kollegenschaft vorhalten zu können. Ein besonderes Augenmerk ist auf die weiterführende Unterstützung der Datenerhebung im Projekt „ZÄPP“ zu richten. Die Erhebung von Kosten- und Strukturdaten in Zahnarztpraxen gewinnt durch die corona-bedingten Ausfälle seit dem Jahr 2020 und durch die aktuell verstärkte Versorgung von Flüchtlingen ganz besondere Bedeutung.

 

Beschluss Nr. 04:

 

Headline: Weitere Unterstützung, Förderung und Stärkung zahnärztlicher Praxen bei corona-pandemie-bedingten veränderten Rahmenbedingungen in wirtschaftlichen und praxisrelevanten pragmatischen Fragestellungen

 

Wortlaut:

 

Die Mitgliederversammlung des DZV e.V. beauftragt den DZV-Vorstand, sich auch weiterhin bei den durch die SARS-CoV-2-bedingten veränderten und nicht vorhersehbaren oder/und kurzfristig sich verändernden Rahmenbedingungen für eine Stärkung, Förderung sowie aktuelle Informationen der zahnärztlichen Praxen einzusetzen und diese somit in ihrem täglichen Arbeits- und Berufsumfeld durch mögliche pragmatische Maßnahmen zu unterstützen.

 

Begründung:

 

In dieser in einem solchem Ausmaß noch nicht da gewesenen Ausnahmesituation einer durch das Corona-Virus mit seinen diversen Mutationsformen ausgelösten Pandemie haben ZahnärztInnen mit ihren zahnmedizinischen Teams erfolgreich die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung trotz erschwerter Rahmenbedingungen sichergestellt. Dies bedeutete ein außerordentliches, über das normale Maß des praxisüblichen Planens und Handelns hinausgehendes fachliches und wirtschaftliches Engagement von ZahnärztInnen in höchster Verantwortung für das Wohl und die Sicherheit der Patienten, Mitarbeiter und der eigenen Person. Die ständig neuen Erkenntnisse und Informationen der Wissenschaft zur Entwicklung der Pandemie und die dadurch bedingten neuen Verordnungen der MAGS verlangen den Kolleginnen und Kollegen ständig ein adaptiertes Handeln ab. Hierbei sind sie angewiesen auf möglichst umfassende aktuelle Informationen und pragmatische Unterstützung in praxisrelevanten Themen. Diese Unterstützung möge der Verband im Rahmen seiner Möglichkeiten, den Mitgliedern auch bei zukünftig zu erwartenden Corona-Wellen zukommen zu lassen.

 

Beschluss Nr. 05:

 

Headline: Unterstützung der Kollegenschaft bei der versorgungsrelevanten- und praxisorientierten Umsetzung und Nutzung von Digitalisierungsprozessen in den zahnärztlichen Praxen

 

Wortlaut:

 

Die Mitgliederversammlung des DZV e.V. beauftragt den Vorstand des DZV e.V. die Kolleginnen und Kollegen bei der versorgungsrelevanten- und praxisorientierten Umsetzung von Digitalisierungsprozessen in zahnärztlichen Praxen zu unterstützen.

 

Begründung:

 

Durch gesetzliche Vorgaben, aber auch infolge einer durch die Corona-Pandemie rasanten Entwicklung bei der Nutzung digitaler Medien in der Bevölkerung, ist es noch notwendiger geworden, sich mit dem Thema der Nutzbarmachung von Digitalisierungsprozessen in den zahnärztlichen Praxen konstruktiv auseinander zu setzen. Hier sollen der Bedarf und der Nutzen für die tägliche Praxisarbeit herauskristallisiert werden. PraxisinhaberInnen und ihre Teams sollen durch entsprechende Dienstleistungsangebote und Fortbildungen Unterstützung erhalten.

 

Beschluss Nr. 06

 

Headline: Bürokratieabbau in zahnärztlichen Praxen

 

Wortlaut:

 

Die Mitgliederversammlung des DZV e.V. fordert die Politik auf, die weiterhin massiv ausufernde Bürokratie im Praxis- und Klinikalltag einzudämmen und endlich einen für die Zahnarztpraxis spürbaren Bürokratieabbau einzuleiten. Die Bürokratielast einer Zahnarztpraxis hat ein absolut unerträgliches Maß erreicht, ohne irgendeinen erkennbaren Nutzen für die Versorgung zu stiften. Große Anteile wertvoller Behandlungs- und Beratungszeit, die den Patienten und deren Versorgung zu Gute kommen sollte, werden hierdurch verschlungen.

 

Begründung:

 

Es müssen endlich gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die weniger Bürokratie statt ständig zunehmende Bürokratie zur Folge haben. Die Zahnärztinnen und Zahnärzte im DZV e.V. wollen ihre Patienten versorgen. Überbordende Dokumentations- und Aufklärungspflichten, die weder die Qualität der Versorgung verbessern, noch der Struktur von Zahnarztpraxen gerecht werden, sind für die Aufrechterhaltung einer qualitativ hochwertigen und flächendeckenden zahnärztlichen Versorgung hinderlich und verringern durch diese immense und ausufernde Bürokratielast den Anreiz für junge interessierte Zahnärztinnen und Zahnärzte, sich niederzulassen.

 

Beschluss Nr. 07:

 

Headline: Schluss mit dem Zustrom versorgungsfremder Investoren in die zahnärztliche Versorgung und Abkehr von einer weiteren Kommerzialisierung des Gesundheitswesens

 

Wortlaut:

 

Die Mitgliederversammlung des DZV e.V. fordert die Politik auf, umgehend der durch die Einflussnahme von versorgungsfremden Investoren über die Gründung von iMVZ begonnenen Vergewerblichung und Kommerzialisierung der vertragszahnärztlichen Versorgung entschieden entgegenzutreten. Darüber hinaus ist die Politik aufgefordert, schnellstmöglich für eine ausreichende Transparenz über die MVZ-Inhaberstrukturen zu sorgen.

 

Begründung

 

Schon seit vielen Jahren warnt die Zahnärzteschaft vor der stetig wachsenden Anzahl von investorengetragenen und damit fremdgesteuerten iMVZs und der damit einhergehenden Vergewerblichung und Kommerzialisierung im Bereich der vertragszahnärztlichen Versorgung. Die Mitgliederversammlung sieht eine erhebliche Gefahr für die Versorgungsqualität und das Patientenwohl und damit für die Sicherstellung der bisher gut funktionierenden flächendeckenden zahnärztlichen Versorgung der Bevölkerung. Zudem besteht keinerlei Transparenz über die Inhaberstruktur der MVZ, sodass Patienten bei der Entscheidung, in welcher Praxis sie Leistungen in Anspruch nehmen wollen, das Kriterium der Inhaberstruktur nicht mit einbeziehen können.

 

Quelle: DZV-MGV am 22. Juni 2022