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03.06.2022 09:48 Alter: 23 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, GKV-Szene, Medien & Internet

Entscheidung zum eRezept

Rollout soll schrittweise in Pilotpraxen beginnen


 

 

Eine automatische und verpflichtende Einführung des elektronischen Rezepts zum 1. September ist vom Tisch. Nunmehr soll der Rollout ab Anfang September in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein schrittweise beginnen, sofern die aktuell laufenden Tests erfolgreich sind. Das haben die Gesellschafter der gematik diese Woche beschlossen. „Unsere Bedenken wurden gehört“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Es werde eine „freiwillige Teilnahme von Pilotpraxen geben – und das unter klaren Rahmenbedingungen. So wird der gesamte Rollout engmaschig begleitet, um bei Problemen schnell reagieren und notfalls den Fahrplan anpassen zu können. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein haben sich bereit erklärt, in ihren Regionen ab 1. September mit der Einführung des eRezepts zu beginnen. Der Start soll in Abhängigkeit von der technischen und organisatorischen Verfügbarkeit erfolgen mit dem Ziel, dass nach und nach immer mehr Praxen eRezepte ausstellen.

 

Weiterer Zeitplan abhängig vom Erfolg

 

Die nächsten Schritte der stufenweisen Einführung wollen die Gesellschafter zeitnah festlegen. „Grundsätzlich werden die jeweiligen Rollout-Phasen erst dann umgesetzt, wenn alle abgestimmten Qualitätskriterien erreicht und dies von den Gesellschaftern auch so festgestellt wird“, erläuterte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. So erfolge frühestens drei Monate nach Start der ersten Phase – und auch nur dann, wenn ein gemeinsamer Beschluss über den erfolgreichen Abschluss getroffen werde – der Einstieg in die nächste Phase mit sechs weiteren KV-Regionen. In 2023 sollen nach dem gleichen Schema die restlichen Bundesländer folgen.

 

Enge Begleitung durch gematik

 

Die gematik wird den Startprozess eng begleiten und hierzu eine zentrale Supportstruktur aufsetzen. Dies soll den KVen eine schnelle Kontaktaufnahme ermöglichen, um Probleme oder Fragen, die sie aus den Arztpraxen erreichen, rasch klären zu können. Kriedel zufolge bietet der stufenweise Rollout die Chance, die Technik, aber auch die Abläufe in den Arztpraxen umfänglich zu testen und auszuprobieren. „Wie kann man 200 Rezepte am Tag schnell signieren? Oder wie reagieren die Patienten, wenn sie nicht mehr ihr gewohntes Rezept erhalten? Das sind alles Dinge, die eingespielt werden müssen, wo auch hoher Informationsbedarf ist“, sagte Kriedel in einem Video-Interview. Er empfehle deshalb allen Praxen, sich die Technik anzuschaffen und so weit wie möglich auszuprobieren. Die Apotheken müssen laut dem Beschluss der Gesellschafter ab 1. September startbereit sein: Die Patienten sollen dann bundesweit eRezepte einlösen können.

 

Vorschläge der KBV wurden aufgegriffen

 

Ursprünglich sollte der Fahrplan zur Einführung des eRezepts bereits Anfang Mai verabschiedet werden. Ein von der gematik vorgelegter Beschlussentwurf sah vor, dass die Einführung ab 1. September verpflichtend beginnen soll. Zudem waren die ausgewählten KVen nicht vorab informiert worden. Die KBV konnte eine Beschlussfassung damals verhindern. Mit dem Beschluss der Sondergesellschafterversammlung von Anfang dieser Woche konnte die KBV wesentliche Punkte durchsetzen, „die ganz wichtig waren, auch für unsere Vertreterversammlung“, wie Kriedel herausstellte. So darf das eRezept ohne ausreichende Tests nicht in der Fläche ausgerollt werden, auch ist die Anwendung während des Rollouts nicht verpflichtend.

 

Die KBV will zudem erreichen, dass es für die Pilotpraxen Anreize gibt, sich an dem Rollout zu beteiligen. Die gematik wurde beauftragt, dies zu prüfen. Quelle: KBV-„PraxisNachrichten“ am 2. Juni 2022