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10.05.2022 09:44 Alter: 16 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik

Respekt für Medizinische Fachangestellte

Gastbeitrag im ärztenachrichtendienst


 

 

Autor: Jan Löhler

 

Der Beruf der Medizinischen Fachangestellten (MFA) gehört nach wie vor zu den beliebtesten Ausbildungsberufen weiblicher Schulabsolventen. Er ist gekennzeichnet durch ein hohes Maß an selbständiger Arbeit, Organisationsvermögen, medizinischem Wissen und kommunikativer Kompetenz. MFA sind die ersten Kontaktpersonen der Patienten in jeder Praxis. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wurden im Rahmen der Corona Pandemie sechs von sieben Coronapatienten ambulant diagnostiziert und behandelt. Die ambulante ärztliche Versorgung – und damit natürlich auch die MFA – haben somit ganz wesentlich dazu beigetragen, dass der stationäre Sektor des Gesundheitswesens während der Pandemie nicht kollabierte.

 

Man möchte meinen, dass diese Schlüsselfunktion auch zu einer entsprechenden gesellschaftlichen Wertschätzung führen würde. Der Alltag zeigt jedoch, dass oft leider das Gegenteil der Fall ist. Schon seit Jahren, verstärkt noch durch die Pandemie, missbrauchen zunehmend Patientinnen und Patienten MFA als Blitzableiter und Prellbock für ihre eigenen Aggressionen. Maßloses Auftreten, forderndes Verhalten und grenzenlosen Wunschdenken hinsichtlich der Terminvergabe machen den Alltag einer MFA zur Belastungsprobe.

 

Wertschätzung drückt sich in unserer Gesellschaft nicht nur durch persönliches Verhalten, sondern natürlich auch durch das Gehalt aus. Hier ist die Ärzteschaft mit dem Bundesmanteltarifvertrag in Vorleistung gegangen. Leider werden aber die dadurch auftretenden Personalkostensteigerungen in keiner Weise durch in der EBM aufgefangen. Praxisinhaberinnen und -inhaber finanzieren daher diese Gehaltssteigerungen aus eigener Tasche. Wenn überhaupt, ist erst in Jahren damit zu rechnen, dass sich die Lohnsteigerungen in den sogenannten Honorarverhandlungen zwischen der KBV und der GKV niederschlagen. Hier muss sich dringend etwas ändern. Es kann nicht sein, dass auf der einen Seite Krankenhäuser und Altenpflege mit staatlichen – somit also aus Steuermitteln – finanzierten Zuschüssen zur Bewältigung der auch dort schwierigen Personalsituation massiv unterstützt werden und der ambulante Sektor leer ausgeht. Hinzu kommt, dass durch die mögliche attraktivere Honorierung im stationären und altenpflegerischen Bereich der ohnehin bestehende Personalmangel an MFA in den Praxen weiter verschärft wird.

 

Nicht selten kommt es vor, dass junge MFA, die im ambulanten Sektor ihren Beruf erlernt haben, nach Bestehen der Abschlussprüfung direkt aus den Praxen von Kliniken und Krankenkassen abgeworben werden. Der Personalmangel führt dazu, dass Patientinnen und Patienten, obwohl sie mittlerweile einen guten Zugang durch die offene Sprechstunde in Akutfällen zu einer ärztlichen Versorgung haben, gleichwohl längerfristig auf diagnostische Termine warten müssen. Viele ärztliche Kolleginnen und Kollegen behelfen sich aus der Not heraus durch die Einstellung von nicht-medizinischem Personal. Dies kann jedoch nicht im Sinne einer medizinisch hochwertigen Versorgung im ambulanten Sektor sein.

 

Der jetzige Bundeskanzler Olaf Scholz hat für sich im Rahmen der Bundestagswahl mit dem Slogan „Respekt für dich!“ geworben. Er und seine sozialdemokratische Partei, die sich traditionell als Anwalt von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern versteht, und die einen starken Fokus auf den sozialen Sektor legt, sollten sich hieran messen lassen. Nicht zuletzt durch die Weigerung, Medizinischen Fachangestellten ebenso wie pflegenden Berufen einen Coronabonus zu bezahlen, drückt sich jedoch der mangelnde Respekt der Politik gegenüber den MFA aus. Oder interessiert sich die SPD am Ende nur für gewerkschaftlich unter dem Dach des DGB organisierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer?

 

Zudem muss aber auch in der Bevölkerung ein Sinneswandel stattfinden. Beifallklatschen und Töpfe schlagen am Abend auf dem Balkon sind schöne Gesten, die aber in ein angemessenes Verhalten im Empfangsbereich von Arztpraxen übersetzt werden müssen. Um das Bewusstsein der Bevölkerung hier zu schärfen, hat unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein auf unsere Anregung hin eine Initiative für eine Plakataktion für mehr Wertschätzung für MFA gestartet.

 

Diese Plakate lassen sich deutschlandweit verwenden, der kostenlose Download findet sich hier.

 

Priv.-Doz. Dr. Jan Löhler

Landesvorsitzender Schleswig-Holstein

des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte e. V.

Bad Bramstedt

 

09.05.2022, 13:13, Autor: red

 

Quelle: ärztenachrichtendienst (änd)