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10.01.2022 10:55 Alter: 15 days
Kategorie: Berufspolitik, Praxisfinanzen

Planlos in den Ruhestand?

Aktuelle Erhebung


 

 

Der Glaube an die Sicherheit und Verlässlichkeit der gesetzlichen Rente schwindet bei den Bundesbürgern immer weiter. Nicht ganz so schlimm sieht es bei der betrieblichen und privaten Vorsorge aus. Allerdings glaubt nur ein gutes Viertel der Deutschen, dass sie im Alter ausreichend abgesichert sind. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des DIA. Weit mehr als jeder zweite Bundesbürger geht davon aus, dass er seinen Lebensstandard im Ruhestand zumindest etwas wird senken müssen. Gut jeder Vierte ist der Ansicht, ihn beibehalten zu können. Nur etwa jeder Zwölfte erwartet, den Lebensstandard wenigstens etwas steigern zu können. Jeder zehnte Interviewte machte zu diesem Aspekt keine Angaben.

 

Details zur Methodik

 

Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Umfrage der Deutschen Instituts für Altersvorsorge GmbH (DIA) für den „Deutschland-Trend Vorsorge“. Mit der Befragung ermittelt das Institut einmal im Jahr die Einschätzung der Bürger zu den drei Säulen der Alterssicherung, die Erwartungen an den Lebensstandard im Alter und die Vorsorgeplanungen.

 

Für die Erhebung hat das DIA 1.025 erwachsene Erwerbstätige bis 64 Jahre aus ganz Deutschland von den Meinungsforschern der Insa-Consulere GmbH befragen lassen. Durchgeführt wurde die Umfrage online zwischen dem 10. und 13. Dezember 2021.

 

Vertrauen geht immer weiter zurück

 

Im Vergleich zur vorigen Untersuchung (VersicherungsJournal 20.1.2021) haben die Anteile der Befragten mit einer pessimistischen sowie einer optimistischen Erwartungshaltung jeweils leicht abgenommen. Im Gegenzug ist der Anteil derjenigen, die von einem Beibehalten des Lebensstandards im Alter ausgehen, leicht gestiegen.

 

Abgefragt wurde auch das Vertrauen in die gesetzliche, die private und die betriebliche Vorsorge. Bei der Bewertung stand den Befragten eine Skala von null (schlechtester Wert) und zehn (bester Wert) zur Verfügung. Ergebnis: Weiterhin liegt die Betriebsrente (aktueller Mittelwert: 4,7) knapp vor der privaten Altersvorsorge (4,5). Abgeschlagen an dritter und letzter Stelle liegt die gesetzliche Absicherung (3,7).

 

Bei allen drei Säulen zeigt die Vertrauenskurve klar nach unten. Auf Jahressicht hat die gesetzliche Vorsorge mit 0,3 Punkten drei Mal so stark verloren wie die bei den anderen Säulen (jeweils minus 0,1 Punkte).

 

Erstere hat im Vergleich zu 2017 sogar über ein Drittel eingebüßt. Deutlich weniger stark verschlechtert haben sich die Werte der privaten (minus ein knappes Viertel) und der betrieblichen Vorsorge (minus ein gutes Sechstel). Nicht bei der Berechnung berücksichtigt wurden die Antworten „weiß nicht/ keine Angabe“.

 

Nur gut jeder Vierte hat ausreichend vorgesorgt

 

Unverändert 28 Prozent der Befragten (ebenfalls ohne diejenigen mit „keiner Angabe“) gehen davon aus, mit gesetzlichen, privaten und betrieblichen Rentenansprüchen zusammengerechnet ausreichend für den Ruhestand vorgesorgt zu haben.

 

Bei den anderen beiden Antwortoptionen haben sich die Präferenzen hingegen deutlich verschoben. So gaben aktuell 31 (Vorjahr: 25) Prozent an, nicht ausreichend vorgesorgt zu haben, aber in den kommenden zwölf Monaten die Rücklagenbildung verstärken zu wollen. Nur noch 41 (47) Prozent wählten die Antwortoption „Ich habe nicht ausreichend vorgesorgt und möchte beziehungsweise kann auch in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr tun.“

 

Einfluss der Pandemie

 

Zu den Gründen für diese Entwicklungen lässt sich DIA-Sprecher Klaus Morgenstern wie folgt zitieren: „Nachdem in den Monaten kurz nach dem Ausbruch der Pandemie mit Lockdown, Kurzarbeit und Auftragseinbrüchen bei vielen Selbstständigen enorme Unsicherheit herrschte, unter der auch die Altersvorsorge litt, pegelte sich die Stimmung offenkundig wieder ein. Unter Umständen schärfte die Krise das Bewusstsein für die Vorsorge“.

 

Eine andere, derzeit in der Auswertung befindliche DIA-Befragung zeige, dass finanzielle Rücklagen durch die Corona-Pandemie für viele eine größere Bedeutung gewonnen hätten, so Morgenstern weiter.

 

Weitere Untersuchungen zur Altersvorsorge in Corona-Zeiten

 

Auch in zahlreichen weiteren Umfragen wurde der Einfluss der Pandemie auf die Altersvorsorge untersucht. So zeigt etwa die aktuelle Auflage der jährlichen Studie der Continentale Versicherungen (2021er-Titel: „Vertrauen und Vorsorge – Die Bevölkerung in der Pandemie“) eine steigende Bereitschaft, für die Rente zu sparen und Rücklagen zu bilden (23.12.2021).

 

Andererseits hat nach dem aktuellen Altersvorsorge-Index der Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung GmbH (Diva) die Angst vor Altersarmut deutlich zugenommen (6.10.2021).

 

Laut dem aktuellen Anlegerbarometer der Union-Investment-Gruppe hat der Notgroschen (82 Prozent) die Altersvorsorge (77 Prozent) als Top-Sparziel abgelöst (22.12.2021). In der Herbstumfrage des Verbandes der Privaten Bausparkassen e.V. belegt die Altersvorsorge (54,8 Prozent) ebenfalls den zweiten Rang bei den Sparmotiven. Knapp in Führung liegt der (aufgeschobene) Konsum mit 55,6 Prozent. Mehrfachnennungen waren jeweils möglich (23.11.2021). Autor: Björn Wichert in VersicherungsJournal am 10. Januar 2022