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< Erneute Befragung zur wirtschaftlichen Situation von MVZ
11.09.2020 09:45 Alter: 20 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, GKV-Szene, Medien & Internet, Praxismanagement

KBV: Digitalisierung sorgt für Frust in Praxen

Wust an Vorschriften und mangelnde Technik


 

 

„Die Praxen stehen der Digitalisierung nicht erst seit der Corona-Krise offen gegenüber – nur nicht zu den jetzigen Bedingungen. Ärger löst eben nicht die Digitalisierung an sich aus, sondern die Art und Weise, wie sie vorangetrieben wird“, sagte Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der Vertreterversammlung am 11. September 2020 in Berlin.

 

In den Praxen herrsche großer Frust – am meisten über die Masse an Vorgaben, über das Fehlen erforderlicher Technik und über die Kosten, die trotz Finanzierungszusagen bei ihnen hängenblieben. Eines von vielen Beispielen für mangelnde Technik sei die Software für die neue Heilmittel-Richtlinie. „Jahrelang haben wir mit Erfolg auf Erleichterung für die Praxen hingearbeitet. Kurz vorm Ziel zeigt sich nun, dass nicht alle Softwarehäuser in der Lage sind, fristgerecht ihre Praxisverwaltungssysteme umzustellen“, so Kriedel. Ebenso kritisch sieht er die Entwicklung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Auch hier würden nicht alle Praxen rechtzeitig über die erforderlichen Komponenten der Telematik-Infrastruktur verfügen können.

 

Mit Sorge beobachtet Kriedel die Entwicklung, dass das Prinzip der Selbstverwaltung unterlaufen wird. So werde bei den Apps auf Rezept nicht der Gemeinsame Bundesausschuss für zuständig erklärt, sondern das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte – eine Behörde. „Der Gesetzgeber hat also eingespielte Prozesse verlassen. Wir versuchen nun von außen positiven Einfluss zu nehmen, ganz im Sinne der Praxen“, kündigte Kriedel an. Es stelle sich die Frage, ob das Prinzip von WANZ – also von wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig – gelte und ob der Arzt eine App verschreiben müsse, wenn der Patient es wünscht.

 

Mit den Medizinischen Informationsobjekten MIOs habe die KBV bereits gezeigt, dass sie als zuverlässiger und kompetenter Partner bereitstehe. In Kürze folge der KIM-Dienst KV.dox. Dieser garantiere Praxen eine sichere und zuverlässige Kommunikation. „Wer die Digitalisierung ernsthaft und nachhaltig voranbringen möchte, der muss die Praxen und ihre Belange ernst nehmen. Wir tun das“, versprach Kriedel. „Die Digitalisierung darf keine zusätzlichen Kosten, unnötigen Pflichten oder ausufernde Bürokratie für die Niedergelassenen bedeuten.“ Quelle: KBV am 11. September 2020