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25.07.2020 11:42 Alter: 17 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik

Geschäftsklima: Apotheker erwarten düstere Zeiten

Heterogenes Gesamtbild


 

 

Ist die Talsohle durchschritten oder steht das Schlimmste noch bevor? Mit Blick auf eine gesamtwirtschaftlich drohende Rezession ist die Stimmungslage auch in den Apotheken gedrückt. Das zeigen Zahlen des aktuellen Apotheken Geschäftsklima Index (AGI). Die Ergebnisse diskutieren APOTHEKE ADHOC-Herausgeber Thomas Bellartz und Chefredakteur Alexander Müller im Podcast WIRKSTOFF.A.

 

Für den Apotheken Geschäftsklima Index (AGI) befragt das Marktforschungspanel aposcope seit Juni monatlich mindestens 100 verifizierte Apothekeninhaber zur aktuellen konjunkturellen Lage ihrer Apotheke(n) sowie zu ihren Geschäftserwartungen für die nächsten drei Monate. Der Index setzt sich aus mehreren Parametern zusammen und soll im Zeitverlauf die Stimmungslage in Apotheken abbilden. Der jetzt erhobene Wert für Juli weist einen Wert von -7,9 auf – und damit eine Verschlechterung im Vergleich zum Juni-AGI (-5,4).

 

Wenig optimistisch stimmt der Blick in die Zukunft: 29 Prozent erwarten eine Verschlechterung der Geschäftslage in den nächsten drei Monaten. Und weitere 60 Prozent gehen davon aus, dass die Situation in etwa gleich bleiben wird. Auf der anderen Seite gehen nur 8,8 Prozent von einer Verbesserung aus. Für den Pessimismus hat Bellartz in gewisser Weise Verständnis. Trotz der Stabilisierung in den vergangenen Monaten sei man noch weit entfernt vom Niveau vor der Corona-Krise. „Die skeptische Erwartungshaltung ist genau richtig, kann aber auch dazu führen, dass sich Apothekenleiterinnen und Apothekenleiter jetzt fragen: Was kann ich tun?“ Die Inhaber könnten in Marketing investieren, das Sortiment hinterfragen, und vielleicht auf Bereiche setzen, denen bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, mit denen sich aber Geld verdienen lässt.

 

Auslöser der insgesamt gedrückten Stimmung ist sicherlich die geringe Nachfrage: 39 Prozent der Befragten bezeichnen die Situation als schlecht, 42 Prozent als befriedigend. Nur 19 Prozent der Inhaber sehen derzeit eine gute Nachfrage. Das spiegelt sich im Warenlager wider: Bei 48 Prozent der Apotheken sind die Bestände laut der aposcope-Befragung derzeit zu groß.

 

Bellartz erwartet, dass die Branche von den Überbeständen noch eingeholt wird: „Diese Überbevorratung führt natürlich zu erheblichen Problemen: Die Apotheken bleibt auf Saisonware sitzen, die im Mai und Juni nicht abverkauft wurde. Entweder gibt es dann Retouren in größerem Umfang, die die Hersteller belasten. Die andere Option, das Warenlager leer zu räumen, führt über Marketing und Preisaktionen. Das heißt, ich verliere drastisch an Ertrag. Die Zahlen verdeutlichen, wie groß das Problem ist: Wenn fast die Hälfte der Apotheken sagt, sie haben viel zu viel auf Lager, dann könnte das in den nächsten Wochen und Monaten zu einer wirklichen Welle werden.“

 

Im Rückblick sollten die Inhaber den Juni mit dem Vorjahresmonat vergleichen. Wenig überraschend beklagen 55 Prozent einen Umsatzrückgang, immerhin 29 Prozent konnten Steigerungen verzeichnen. Bei der Nachfragesituation zeichnet sich ein ähnliches Bild: 43 Prozent gesunken, 24 Prozent gestiegen.

 

Ausgeglichener sieht es bei der Zahl der Mitarbeiter aus. Während knapp jeder zehnte (9,8 Prozent) seit dem vergangenen Jahr Personal aufgestockt hat, ist die Zahl der Beschäftigten in 11,8 Prozent der Betriebe gesunken. Aus den Zahlen geht nicht hervor, in welchem Umfang jeweils Personal auf- oder abgebaut wurde, in der Praxis könnte der Saldo also auch positiv sein. Bei dieser wie bei anderen Fragen wird der AGI im Zeitverlauf verlässliche Trends abbilden können. Der im Juni gestartete Index wird monatlich erhoben. 19 Prozent der Inhaber befürchten, dass die Zahl der Beschäftigten in ihrem Betrieb eher sinken wird, nur 2,9 Prozent wollen personell ausbauen.

 

Die aktuelle Geschäftslage beurteilt ein Drittel der Inhaber (32 Prozent) trotz allem als gut, fast ebenso viele (28 Prozent) dagegen als schlecht, 39 Prozent bezeichnen die Situation als befriedigend. Im Vergleich zum Vormonat hat sich der Wert zwar leicht verbessert, ausgehend allerdings von einem recht niedrigen Niveau – im Juni war die Stimmungslage sogar insgesamt negativ.

 

Bellartz sieht aber auch Dinge, die Mut machen: Über Botendienste und digitale Angebote könnten die Apotheker ihr Geschäft stützen und vielleicht sogar ausbauen. „Unternehmerisch betrachtet ist das eine spannende Zeit, eine Zeit der Herausforderung und hier wird sich nochmal die Spreu vom Weizen trennen. Diejenigen, die jetzt gerade aktiv sind, werden erfolgreich sein.“ Der Markt habe schon viele gesetzgeberische Maßnahmen und Marktveränderungen verkraftet und werde auch diese Krise überstehen. Immerhin hätten die Apotheken ihre Bedeutung während der Pandemie mehr als einmal bewiesen. Quelle: apotheke adhoc am 24. Juli 2020