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< Newsletter „auf den punkt” 10/2020
17.06.2020 14:13 Alter: 136 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, GKV-Szene, Praxisfinanzen, Praxismanagement

Honorarumsätze von Zahnarztpraxen

Erholung, aber auf einem niedrigeren Niveau


 

 

Gastbeitrag von Christian Brendel, Geschäftsführer der solvi GmbH:

 

Die solvi GmbH erhebt fortlaufend die Entwicklung der Kassen- und Privathonorare niedergelassener Zahnärzte infolge der Corona-Pandemie. Die Daten, die im Rahmen des „solvi Leistungsindex von Zahnarztpraxen in der Coronavirus-Pandemie" (SLIC) anhand eines Praxispanels mit Echtdaten erhoben werden, zeigen im Mai und Anfang Juni eine deutliche Erholung und leichte Nachholeffekte insbesondere in der PZR, bei Kontrolluntersuchungen und bei jungen und gesunden Patienten. Älter Patienten und Berufstätige kehren jedoch noch nicht in vollem Maße in die Praxen zurück.

 

„Nach den verheerenden Monaten März und April hat sich die Leistungserbringung von Deutschlands Zahnarztpraxen in den vergangenen Wochen auf ca. 90% des Vorkrisenniveaus erholt", erklärt Christian Brendel, Geschäftsführer der solvi GmbH. Dabei ist auffällig, dass die Patientenzahlen stark mit der Gesamtmobilität der Bevölkerung korrelieren (gemessen anhand der Mobilitätsdaten von Apple). „Da die Mobilität der Bevölkerung im Rahmen der fortlaufenden Lockerungen und anhaltend niedrigen Infektionszahlen weiter steigt, ist ebenfalls von einem weiteren Anstieg der Honorarerlöse der Zahnarztpraxen im weiteren Jahresverlauf auszugehen" so Brendel weiter. Sofern es zu keiner zweiten Welle kommt gehen die Experten von solvi daher davon aus, dass Zahnarztpraxen im weiteren Jahresverlauf im Schnitt ein Leistungsniveau von ca 95% erreichen können. Auf Jahressicht betrachtet würde dies dennoch einem Verlust an zahnärztlicher Wertschöpfung von ca. 1,5 Milliarden Euro gleichkommen.

 

Die Gründe für das nachhaltig niedrigere Leistungsniveau liegen offenbar primär auf der Nachfrageseite. Zwar kommt es in Praxen bedingt durch noch einmal angehobene Hygienemaßnahmen zu kleinen Effizienzverlusten, im Schnitt über alle Praxen scheint jedoch eher eine bleibende, leichte Zurückhaltung bestimmter Patientengruppen den Ausschlag zu geben. So lässt sich beobachten, dass der starke Rückgang der älteren Patienten und Risikogruppen in der Zwischenzeit nur bedingt umgekehrt werden konnte. Die Analyse zeigt, dass Patienten in der Altersgruppe 70+ zeitweise einen Rückgang von über 60% verzeichneten, nach wie vor bleiben diese den Praxen jedoch noch zu einem hohen Prozentsatz fern. So ergibt sich selbst im Mai und Anfang Juni noch ein Rückgang in dieser Altersgruppe von ca. 30% im Vergleich zum Vorkrisenniveau.

 

Etwas differenzierter fällt das Bild hingegen bei der Altersgruppe der Erwerbstätigen aus. Hier fällt auf, dass die Patienten zwar teilweise zurück in die Praxen kehren. Nachdem zwischenzeitlich ein Rückgang von über 30% zu verzeichnen war, liegt diese Altersgruppe in der Zwischenzeit bei ca. -15%. Dies gilt jedoch primär für ländliche Gebiete und Praxen die gut mit dem Auto zu erreichen sind. In städtischen Gebieten, in denen vielfach der aktuell nach wie vor etwas gemiedene ÖPNV zum Einsatz kommt und viele Arbeitnehmer noch im Home Office arbeiten, sind die Rückgänge auch in der berufstätigen Kerngruppe von 20 bis 69 noch immer im höheren zweistelligen Prozentbereich. Hierunter leiden besonders Praxen, die von der berufstätigen Klientel abhängig sind, die also z.B. in Kernstädten und Bürovierteln sitzen und dort viele Patienten vor, während oder nach der Arbeitszeit behandeln. Diese Praxen zeigen nach wie vor einen Rückgang von 35% im Vergleich zur Vorkrisenzeiten, nachdem sie im März und April im Schnitt Rückgänge von über 50% zu verzeichnen hatten.

 

Erfreulich ist die starke Rückkehr der jungen Patienten. Im März und April konnte bei Patienten zwischen 0 und 19 Jahren ein Rückgang von 45% beobachtet werden. Dies lässt sich damit erklären, dass es sich viele Eltern vermutlich doppelt überlegt haben dürften, ob sie einen Kontrolltermin mit einem (Klein-) Kind während dieser heiklen Phase der Pandemie wahrnehmen wollen. In den letzten Wochen verzeichnet diese Patientengruppe der Kinder und Jugendlichen eine starke Erholung. Sie liegt aktuell nur noch ca. 5% unter dem Vorkrisenniveau.

 

Ebenfalls unterschiedlich verläuft die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern und Kreisen, in Abhängigkeit vom regionalen Infektionsgeschehen. So lässt sich beobachten, dass in den besonders stark betroffenen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Bremen und Saarland (gemessen in Anzahl Fälle / 100.000 Einwohner alle über dem Bundesschnitt) die Patientenzahlen insgesamt stärker zurückgingen (-50%) und diese nach wie vor auch auf einem etwas niedrigeren Niveau bleiben (-20%) als in den unterdurchschnittlich stark betroffenen Bundesländern (-30% / -10%). Weitere Details zum SLIC sowie fortlaufend neue Auswertungen der Entwicklung finden sich auf www.solvi.de im Bereich „Wissen / Blog“. Quelle: solvi GmbH, Beitrag erstmalig veröffentlicht im Newsletter "auf den punkt", Ausgabe 10/2020 am 17. Juni 2020

 

Disclaimer des Autors:

 

Wir weisen darauf hin, dass es sich bei den vorgelegten Zahlen um eine Analyse eines nicht repräsentativen Praxis-Panels handelt. Die Ergebnisse erheben daher keinen Anspruch auf Repräsentativität. Wir gehen dennoch davon aus, dass die darin zu sehenden Entwicklungen und Größenordnungen wertvolle Anhaltspunkte liefern können und sich im Zeitablauf im Wesentlichen bestätigen und weiter verfestigen.