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07.05.2020 09:59 Alter: 18 days
Kategorie: Berufspolitik, Gesundheitspolitik, Kommentare

MIT-Kündigung

Dr. Wilde: Jetzt reicht`s


 

 

Abdruck des Kündigungsschreibens in der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU mit freundlicher Genehmigung von Dr. FranJo Wilde am 7. Mai 2020:

 

Dr. Franz-Josef Wilde, Wentrupstr. 5 / von-Alpen-Str. 8, 48720 Rosendahl

 

An die CDU-Kreisstelle Coesfeld, Zapfeweg 18, 48653 Coesfeld

 

Sehr geehrte Damen und Herren.

 

Hiermit reiche ich die Kündigung meiner Mitgliedschaft in der MIT ein und bitte diese zu bestätigen.

 

Ich bin Zahnarzt im Ruhestand und auch angestellter Zahnarzt, und seit den 1990-iger Jahren und immer noch in der Selbstverwaltung aktiv, zurzeit im Hauptausschuss der KZV Westfalen-Lippe. Über mehrere Jahre war ich Mitglied der Gesundheitskommission der MIT unter Hildegard Müller, kurze Zeit Jens Spahn dann Rolf Koschorrek. Die Mittelstandsvereinigung ist ein Teil der CDU, die mit der SPD und CSU die Bundesregierung stellt. Der Bundesgesundheitsminister ist bekanntlich Jens Spahn, der aus meiner Region kommt und der in der Vergangenheit das eine oder andere Mal in unserer Bezirksstelle referierte. Das letzte Mal 2018 zu den Problemen der zahnärztlichen medizinischen Versorgungszentren MVZ und Problemen in der Niederlassung.

 

Ich war schon entsetzt, dass sich die MIT nicht klar gegen MVZ’s (Medizinische Versorgungszentren) entschieden hat, die CDU/CSU allemal nicht. Hier droht die Übernahme von freiberuflich geführten Praxen durch Investoren, die eines wollen: Ihren Profit mehren (interessant die Kritik in Coronazeiten an solchen Strukturen – in der Not erkennt man die Schwachstellen). Diese investorgesteuerten MVZ (I-MVZ) haben mit Mittelstand nun wirklich nichts zu tun. Und sie werden ein Eldorado an Übernahmemöglichkeiten nach Corona vorfinden, verursacht von Kollegen, die den Empfehlungen gefolgt sind, nur unvermeidbare Behandlungen vorzunehmen und das Handtuch werfen müssen.

 

Im Rahmen der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung einen Rettungsschirm für Ärzte beschlossen. Völlig unverständlich ist, dass Zahnärzte nicht einbezogen wurden. Das zeigt zum wiederholten Male - und ich überblicke nun 40 Jahre Berufspolitik -, dass der Berufsstand der Zahnärzte nicht den Medizinern zugeordnet wird. Und es hält sich auch in der Politik wider besseren Wissens immer noch das Vorurteil, dass Zahnärzte zu den Raffzähnen im Gesundheitswesens gezählt werden. „Die verdienen genug und können die Probleme doch locker wegstecken“. Die unten angehängte Statisitk und der Link (https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Dienstleistungen/Tabellen/kost-03-grundzahlen-aerzte-bereiche.html) auf „destatis“ stellt die Realität jedoch anders dar. Eingeknickt ist man vor Scholz (SPD) – Mitglied einer Minderheitspartei. Die Politik von CDU und SPD setzen also ihre Prioritäten, die Kollegenschaft und ihre MitarbeiterInnen mit 350.000 Menschen und deren Familien bei den Wahlen im nächsten Jahr ebenso.

 

Zu ergänzen ist, dass wir in Corona-Zeiten zu den Einrichtungen gehören, in denen wir als Zahnärzte und unsere Mitarbeiter einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind und daher unsere Aktivitäten möglichst herunterfahren sollten. Das hohe Gefahrenpotenzial entnehmen Sie bitte den Veröffentlichungen des RKI. Ich helfe Ihnen gerne auf die Sprünge.

 

Das jetzige Angebot der Bundesregierung ist eigentlich an Unverschämtheit nicht mehr zu überbieten. Ich erspare mir das genauer zu erläutern. Der Vorstandvorsitzende der KZBV, Dr. Eßer, hat das mit wohlfeilen Worten seit vielen Wochen ausgeführt:

 

https://www.kzbv.de/stellungnahme-kzbv-versorgstruktschutzvo-refe.download.dc88122e0d5ad833c187e2190e5beb98.pdf  

 

Bewirkt hat es gar nichts. Häme schlägt uns ins Gesicht. Der Kenner der Materie erkennt sofort und insbesondere im Vergleich mit dem Rettungsschirm für Ärzte die völlige Unzulänglichkeit der Regelungen bis hin zur Übernahme der Risiken durch die Mitglieder der KZV bei Problemen in der Rückzahlung in Anspruch genommener Kredite durch Kollegen.

 

Die Politik darf sich nicht wundern, dass viele ausgebildete Zahnärzte der Niederlassung die Rote Karte zeigen. Auch das ist bekannt. Die unseligen politischen Eingriffe, die Verkümmerung des Punktwertes in der GOZ, die Tatsache, dass Tierärzte für Notfallbehandlungen von Schweinen nicht gleich sondern besser honoriert werden und vieles mehr kommt auch bei den jungen Kollegen an.

 

Ich verlasse die MIT, weil sie Teil der CDU ist, die unsere Rechte mit Füßen tritt, weder unseren Berufsstand Wert schätzt noch spürbar in irgendeiner Form positiv Einfluss auf zahnärztliche freiberufliche mittelstandsorientierte Belange nimmt. Diese Partei ist für Zahnärzte schlicht unwählbar geworden.

 

Hochachtungsvoll: Dr. Franz-Josef Wilde

 

Kopie des Schreibens an:

 

  • Bundesminister Jens Spahn, Ahaus
  • Geschäftsstelle der CDU Ahaus
  • Carsten Linnemann, MdB
  • ADP

 

Mailkontakt: fj.wilde@web.de